Kategorie-Archiv: Wald

Bärlauchzeit

Der März ist Bärlauchzeit! Lange haben wir auf den ersten Bärlauch gewartet und sogar Keks hat beim Suchen geholfen :-).

IMG_4179 IMG_4180

Wie schon im letzten Jahr sind wir dann Anfang März bei den Donauauen fündig geworden. Dort bilden die leckeren Frühjahrsblüher stellenweise einen dichten Teppich, bevor sie dann nach dem Austreiben der Laubbäume wieder ganz im Waldboden verschwinden.

IMG_4220 IMG_4223

Sprießte der Bärlauch am Anfang nur vereinzelt aus dem Boden, war er eine Woche später kaum mehr zu übersehen…

IMG_0738IMG_4330

Der zum Teil renaturierte Auenwald ist über das ganze Jahr ein spannendes Ausflugsziel und auch der im 19. Jahrhundert ausgerottete Biber lässt sich dort wieder beobachten. Allerdings war der für meinen Foto zu schnell und so blieben mir nur seine typischen Bissspuren, an den von ihm gefällten Bäumen, zu fotografieren.

IMG_0742

Aber auch die Spechte waren fleißig und im ganzen Wald hörte man ihr geschäftiges „hämmern“.

IMG_4332IMG_4166

Der bereits von Plinius dem Älteren „Allium ursinum“ benannte Bärlauch ist eine uralte Heilpflanze, reich an Vitaminen und ätherischen Ölen, welche dabei helfen z.B. die Frühjahrsmüdigkeit zu bekämpfen, die uns dieses Jahr besonders hartnäckig heimgesucht hatte. Gesammelt wird er vor der Blüte, dabei gilt die Handstraußregel, in manchen Teilen Deutschlands ist er sogar geschützt. Aber Vorsicht! Beim unachtsamen Sammeln wird der Bärlauch immer wieder mit den sehr giftigen Herbstzeitlosen oder den Maiglöckchen verwechselt, obwohl diese sich beim genauen Hinschauen eigentlich deutlich unterscheiden.

DSC01569 IMG_0710

Bärlauch gilt wie der Huflattich als einer der Frühjahrsboten schlechthin und wurde auch schon früh nicht nur gesammelt sondern auch angebaut. So erzählt schon die Landgüterverordnung Karls des Großen vom Stellenwert des Bärlauchs als Gemüse- und Heilpflanze. Allgemein gilt er als Verdauungsfördernd und soll sogar gegen Bluthochdruck und Arteriosklerose helfen. Er ist vor allem reich an Senfölglykosiden, die auch für seinen würzig-scharfen Geschmack verantwortlich sind. Weitere ätherische Öle desinfizieren die Atemwege. Dieses merkt man auch bei der Verarbeitung. Entgegen der häufig in Kräuterbüchern etc. vertretenen Meinung, man könne Bärlauch nicht trocknen, geht dieses sehr gut und man erhält ein hoch aromatisches Gewürz, dass auch seine intensive grüne Farbe behält.

IMG_4451

Nachdem wir früh am Morgen Bärlauch gesammelt hatten, war Franz den ganzen Tag mit dem Trocknen des selbigen beschäftigt, d.h. Haus und Garten sind nun antiseptisch und alles duftete nach Bärlauch. Die Hunde kamen allerdings eine Zeitlang nur unwillig ins Haus … Sandor versuchte es gar mit einer „Schutzkleidung“, was aber auch nicht wirklich half :-)

IMG_4165

Für das Bärlauch Pesto war dann ich zuständig, obwohl ich das vom letzten Jahr noch in unguter Erinnerung hatte … denn Pesto Produktion kann eine mühsame Angelegenheit sein, wenn der Mixer streikt und die Blätter nicht richtig einzieht. Besonders ärgerlich ist es aber, wenn der eigene Freund nach einem Kundentermin nach hause kommt, während man selbst Stundenlang den Mixer verflucht hat und kurz davor war ihn zu eliminieren. Wie gesagt kommt dann ein gewisser Franz nach hause, hört sich die Misere an und verkündet äußerst unfeinfühlig: „warum hast du denn kein Öl dazu gefügt, dann funktioniert der Mixer einwandfrei“ … Die Geschichte werde ich mir nun jedes Jahr zur Bärlauchzeit anhören müssen :-). Immerhin sind wir jetzt für den nächsten Winter mit Bärlauch versorgt. In hübsche Gläschen eingefüllt, ist er auch ein leckerer Frühlingsgruß zum Verschenken.

IMG_4449

Pilzseminar Bayrischer Wald

„Natur Natur sein lassen“ ist das Motto des Nationalparks Bayerischer Wald. Mit einigem Glück hatten wir noch zwei freie Plätze für ein Pilzseminar in Regen ergattert und machten uns aus dem heimischen Niederbayern auf in den Bayrischen Wald und es gibt wohl kaum einen schöneren Ort für ein herbstliches Pilzseminar. Wir haben viel gelernt aber genauso viel gelacht und Spaß gehabt (Vielen Dank an Karin, Frank und Georg; wer sich für das Pilzseminar interessiert wird unter www.schwammerlsuche.de fündig).

DSC01972IMG_2380

IMG_2337

Auch die Führung von Waldführerin Gabi durch den Nationalpark war ein echtes Highlight mit wunderschönen Impressionen in ein nahezu unberührt belassenes Ökosystem mit einzigartiger Fauna und Flora. In der kurzen Zeit konnten wir natürlich nur einige kleine Einblicke in dieses faszinierende Naturreservat bekommen aber schon diese haben uns nachhaltig fasziniert.

IMG_2298IMG_2356

 

IMG_2374IMG_2369

DSC01976

Darunter drei ganz seltene Pilzarten die kaum im übrigen Deutschland zu finden sind und daher auf der Roten Liste stehen: Der Tannenstachelbart und der Heidelbeerkammpilz. Vom „Duftenden Feuerschwamm“ sind weltweit nicht einmal 10 Fundorte bekannt, darunter einer im Nationalpark. Dem wohlriechenden Feuerschwamm sind wir leider nicht begegnet dafür aber den zwei anderen Pilzprominenten. Der nicht ganz so seltene, weil auch kultivierbare, Tannenstachelbart ist eine echte Schönheit und ist ein Folgezersetzer (Saprobiont) auf Weißtannen.

DSC01977

Auf den ersten Blick recht unscheinbar ist der Heidelbeerkammpilz (PHLEBIA ZENTRIFUGA). Aus der Nähe betrachtet ist er aber ein faszinierender Pilz und anscheinend so selten, dass ihn noch nicht einmal Wikipedia kennt J, kein Wunder braucht er doch bis zu 400 Jahre um einen passenden Standort zu finden (Seminarleiter Frank hat uns augenzwinkernd erzählt das der Heidelbeerkammpilz ein „echter Feigling“ ist und erst erscheint wenn alle anderen Pilze schon längst den abgestorbenen Baumstamm verlassen haben).

DSC01966

Mein persönliches Fachwort des Tages (eines unter vielen) war Guttationströpfchen. Diese entstehen wenn ein Pilz (nach menschlichen Maßstäben) einfach „vollgefressen“ ist. Überschüssiges Wasser gibt er dann durch die Guttation ab. Ich bin mir nicht sicher ob dieses für alle Pilze gilt, aber zumindest für einige Baumpilzarten und deren Tröpfchen kann man sogar probieren, sie schmecken etwas metallisch-bitter aber trotzdem nicht schlecht.

IMG_2317IMG_2328

Auch über Bäume habe ich wieder einiges gelernt, so über die Entstehung von Krakenbäumen, Stelzenbäumen. Dieses sind Bäume die es ihrer Jugend nicht ganz einfach hatten. Zwar wurden sie nicht von ihren gleichaltrigen Kameraden gemobbt oder gar von Älteren gepiesackt, nein ihr Standort (alte Baumstümpfe oder Felsen) musste einfach umwachsen werden. Dabei entstehen bizarr-schöne Wurzelformationen die ich nicht müde wurde zu fotografieren.

IMG_2308DSC01988

IMG_2313

Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten Hunnenbärte die uns Franz erklärt hat. Franz hatte dieses nur bei Buchen vorkommende Kuriosum auf einer Jagdexkursion vor ein paar Jahren kennengelernt. Dabei entstehen an den Abbruchstellen von Ästen Narben, welche stets die charakteristische Form von Hunnenbärten zeigen.

IMG_2333

Ein wirklich schöner Ort für eine Pause im Bayrischen Nationalpark ist das „Schwellhäusl“, eine ehemalige Trifterklause, die schon 1828 für die hartarbeitenden Waldarbeiter errichtet wurde. Eine süffige Spezialität des Schwellhäusl ist das „Bier vom Stoa“, das aus einem Felsstück gezapft wird …lecker!

DSC01993 IMG_2332

Nach dieser zünftigen Erfrischung ging unser eigentliches Pilzseminar weiter. Und wir haben viel gelernt und gesammelt in diesen drei Tagen. Am Schluss waren es weit über 100 verschiedene Pilzarten die wir bestimmt hatten.

IMG_2303

Darunter einige sehr gute Speisepilze die ich nicht kannte (Franz schon :-)) oder die wir in unserer Gegend noch nicht gefunden haben. Aber auch zahlreiche ungenießbare oder gar tödlich giftige Pilze die nicht weniger faszinieren sind wie ihre essbaren Verwandten.

DSC01995IMG_2404

Gerade die Baumpilze sind äußerst schöne Fotomotive sind aber auch sonst nicht uninteressant. So wird der „Flache Lackporling“ auch Malerpilz genannt, da man auf seiner weisen Unterseite wie auf einer Schiefertafel malen kann, da sich an den Druckstellen die Pilzporen dauerhaft schwärzlich verfärben. In Amerika gibt es sogar eine Art Volkskunst welche die „Artist’s Conk“ mit detaillierten Naturmotiven „bemalt“, dass sieht dann ein bisschen aus wie ein Kupferstich.

DSC01984

Auch der Zunderschwamm ist ein Faszinosum. Schon in Urzeiten benutzte man den Zunderschwamm zum Feuermachen, so trug auch Ötzi einen Zunderschwamm bei sich. Er wurde aber auch als blutstillende Wundauflage genutzt „Fungus chirurgorum“ und war daher lange Zeit ein viel gesuchter Pilz. Interessant ist, dass man durch ein recht aufwendiges Verfahren aus dem Pilz ein lederartiges Material gewinnen kann, aus dem traditionell Hüte und Taschen hergestellt wurden. Wie uns Waldführerin Gabi erzählte werden diese heute nur noch in Rumänien hergestellt eigentlich schade, ich hätte gerne eine Pilz-Tasche!!!

DSC01986

Auch der Wollige Milchling, umgangssprachlich Erdschieber genannt, wir vor allem in Russland, der Ukraine und Bulgarien zubereitet, gilt er doch bei uns als ungenießbar. Hauptsächlich in Sibirien wird der Wollige Milchling ähnlich wie Sauerkraut zubereitet und damit essbar gemacht. Der Name Erdschieber kommt daher, dass der Fruchtkörper sich schon komplett in der Erde ausformt und dann aus der Erde „herausschiebt“. Daher sind diese oft beeindruckend wuchtigen Exemplare teils mit Erde und Laub bedeckt.

IMG_2307

Natürlich haben wir auch essbare Pilze gesammelt. Meine Favoriten waren dabei in jedem Fall die Trompetenpfifferlinge (weil es so viele waren und sie eigentlich ganz leicht zu erkennen sind); die Mohrenkopf-Pilze (ein wunderschöner Pilz und einfach unglaublich lecker); die Totentrompeten (optisch wie schon der Name vermuten lässt kein besonders attraktiver Pilz aber geschmacklich sehr intensiv und gut zum trocknen geeignet), die Semmelstoppelpilze (sehr lecker, am besten entfernt man aber beim Putzen die Stoppeln, da er sonst etwas bitter schmecken kann). Hier eine kleine Auswahl unserer gefundenen Pilze, stilsicher auf blau/weis präsentiert :-):

IMG_2390

Am letzten Tag des Pilzseminars haben wir uns dann aus den mitgebrachten Pilzen ein, auf Grund der Müdigkeit, sehr einfaches Pilzgericht zubereitet: Einfach nur die Pilze putzen, dann Zwiebel in Butterschmalz glasig dünsten, Pilze dazugeben und mindestens 5 Minuten braten, dann ca. 4-6 verquirlte Eier, die zuvor mit Pfeffer und Salz abgeschmeckt wurden, dazugeben und wie ein Omelett fertigbraten, am Schluss noch etwas Petersilie dazu … fertig. Dazu gab es Nudeln mit Walnuss-Pesto (Siehe Waldfrüchteverarbeitung) und ein einfacher Tomatensalat mit dem wunderbaren Bärlauch Essig den Franz im Frühjahr hergestellt hat.

IMG_2302IMG_2391

Zum Pilze sammeln und zubereiten hier noch ein paar obligatorische Tipps: Nur Pilze ernten und verarbeiten die man 100% einwandfrei erkannt hat, wer sich nur ein bisschen unsicher ist, den Pilz stehen lassen oder einem geprüften Pilzsachverständigen vorlegen. Denn so lecker Pilze sind es gibt zum Teil viele giftige „Doppelgänger“ die im schlimmsten Fall zu tödlichen Pilzvergiftungen führen können (Das Reh dessen Schädel wir im Wald gefunden haben, hat wohl sicherlich keinen giftigen Schwammerl gefressen aber: „Memento mori“)

IMG_2382

Sehr empfehlenswert zum Thema Pilze ist die Homepage www.123pilze.de und das dazu erhältliche Begleitbuch „1700 Pilze“ von Wolfgang Bachmeier.

Waldfrüchteverarbeitung

Herbstzeit ist Erntezeit. Und nicht nur im heimischen Garten wird geerntet sondern auch unsere Wälder laden ein zum Sammeln köstlicher & gleichzeitig auch kostenloser Schmankerl.

DSC01907

So waren Franz und ich die letzten Wochen eigentlich immer mit Körben unterwegs wenn es mit Keks zum Waldspaziergang ging. Und die Ausbeute an Pilzen, Eicheln, Walnüssen und Maronen war reichlich nur Bucheckern sind in unserer Gegend dieses Jahr leider kaum zu finden. Und ärgerlich war auch, dass am reichlich tragenden  Haselnussstrauch, den ich mir schon vor Wochen gemerkt hatte, keine einzige Nuss mehr zu finden war. Da war wohl jemand schneller … ich habe stark ein mysteriöses Rieseneichhörnchen im Verdacht. Nichts desto trotz war unsere Ausbeute gewaltig.

IMG_2238IMG_2174

Und nun ging es an die zeitnahe Verarbeitung und Haltbarmachung unserer gesammelten Schätze. Zuerst waren die Pfälzer Maronen dran, denn Maronen neigen schnell zum Schimmeln und lassen sich bei Raumtemperatur nur ca. eine Woche aufbewahren. Kühl, trocken und luftig gelagert halten sie sich länger, besser erhält sich jedoch das unvergleichlich feine Aroma durch rasche Verarbeitung oder Einfrieren. Leider sind Kastanien auch recht wurmanfällig und so sollten als erstes die wurmigen Kastanien aussortiert werden. Dieses geht am einfachsten in dem man die Kastanien in eine Schüssel mit Wasser gibt. Diejenigen die oben schwimmen sind kaputt und können aussortiert werden.

DSC01922

Nachdem Franz momentan unter Schlaflosigkeit leidet widmete er sich schon in den frühen Morgenstunden der Maroni Verarbeitung. Dieses fand er zunächst äußerst meditativ aber nach über zehn Kilo Kastanienschälen war es mit der Meditation dann doch vorbei. Also zunächst muss man die Kastanien auf der flachen Seite kreuzweise einschneiden und dann ca. 10 Minuten in reichlich Salzwasser köcheln lassen. Danach auskühlen lassen und nun lassen sich die harte äußere Schale sowie das innerer Häutchen leicht entfernen. Soweit die Theorie. In der Praxis erweist sich gerade das innere Häutchen als äußerst renitent und ist nur schwer abzubekommen. Für unser Kastanienmehl war uns das dann irgendwann egal, das schmeckt auch so, aber wir suchen weiter nach der ultimativen Methode zur Entfernung, da wir ja noch schöne eingelegte Kastanien herstellen möchten. Vielleicht sind wir ja nach einem erneuten Pfalzbesuch und der Befragung einheimischer Spezialisten schlauer. Die getrockneten Kastanien lassen sich im Mixer leicht zu einem schönen Mehl verarbeiten, den ungetrockneten Rest haben wir zu eine Kastanienmus gepresst und eingefroren.

DSC01926

Leichter ist die Verarbeitung von Eicheln. Zwar ähneln die Arbeitsschritte der Maronenverarbeitung, dennoch gibt es einige Unterschiede zu beachten. Die Eicheln werden zunächst in einer Pfanne geröstet bis sie nach einigen Minuten platzen. Dabei unbedingt einen Deckel auf die Pfanne setzen, da die Eicheln wie riesiges Popcorn durch die Gegend schießen. Das Schälen ist im Vergleich zu den Kastanien kinderleicht. Danach müssen die Eichelhälften wegen der in ihnen erhaltenen Gerbstoffe jedoch ca. zwei Tage gewässert werden. Der Prozess optimiert sich durch die Zugabe von etwa einem bis zwei Teelöffeln Kaiser-Natron auf zwei Liter Wasser. Relativ schnell werden dadurch die Gerbstoffe zu einer braunen Brühe ausgewaschen, daher das Wasser mindestens zweimal auswechseln.

DSC01941

Danach werden die Eicheln gepresst und zu einem Granulat getrocknet. Dieses kann dann bei Bedarf zu Mehl gemahlen werden. Die noch unbearbeiteten Eicheln lassen sich kühl und trocken lagern. Dafür eignen sich prima luftige Netze (z.B. Zwiebel oder Kartoffelnetze), die man am besten an einem dunklen Ort aufhängt.

DSC01932

Auch bei unseren gesammelten Walnüssen hat Franz zwei Nachtschichten eingelegt und eine große Schüssel geknackter Nüsse produziert. Diese lassen sich prima einfrieren um das ganze Jahr frische Walnüsse zur Hand zu haben. Aus einem kleinen Teil habe ich ein schnelles Walnuss Pesto gemacht (Geröstete Walnüsse mit Gartenkräuter, z.B. Salbei und Dost, Knoblauch Salz, Pfeffer, Olivenöl und etwas Parmesan im Mixer fein malen, dazu noch eine Prise Zimt … fertig).

DSC01902DSC01938

Der Rest unserer frischen Walnüsse trocknen wir für ca. vierzehn Tage in ausrangierten Brotkisten (sonst Schimmelgefahr).

DSC01944

Zum Schluss noch ein Paar Impressionen zu unserer Pilzernte. Hier war das Sammeln spannend und oft lustig.

IMG_2140 IMG_2126

Nachdem Franz mich so manchen Sonntag Morgen zur nachtschlafender Zeit (Sonntag 06.30 ist für mich Langschläferin schon eine Herausforderung) aus dem Bett getrieben hat und noch dazu noch unseren unschuldigen Hund dazu abgerichtet hat, ihn dabei zu unterstützen fuhren wir in den Wald. Auf dem Weg dorthin bin ich dann immer wieder eingeschlafen … ich weiß bis heute nicht wo unsere Pilzsammelgebiete eigentlich genau sind.

DSC01868DSC01888

IMG_2094IMG_2159

Ertragreich sind sie allemal und so waren die Nachmittage mit Schlafen meinerseits und Pilzputzen seinerseits (er diktiert mir dass J) ausgefüllt. Gekocht und gegessen haben wir dann aber schon immer gemeinsam. Mein absolutes Lieblingsschmankerl ist das „Jägernaturschnitzel“. So viele Parasol und Safranschirmlinge kann Franz gar nicht finden wie ich essen möchte.

DSC01882IMG_2161

DSC01914DSC01915

Nachdem dem die Kapazität unserer Gefriertruhe an ihre Grenzen gestoßen ist, haben wir den Rest getrocknet (zum Glück hat uns Markus noch seine Trockner ausgeliehen, sonst wären wir heute noch nicht fertig) und zum Teil zu Pilzpulver weiterverarbeitet.

DSC01935DSC01876

 

Maronenzeit

Nachdem unsere Kühltruhe (& nicht zu vergessen die vielen Pilze die Franz getrocknet & zum Teil noch weiter zu Pilzpulver verarbeitet hat) nun wohl gefüllt mit allerlei Pilzen (Steinpilz, Maronen, Butterschwammerl, Parasol, Krause Glucke, Rotkappe, etc.) ist, hat die Maronenzeit begonnen. Nur leider nicht in Bayern, da es dort zu kalt für die wärmeliebende Esskastanie ist. Die Pfalz ist allerdings eines der deutschen Hauptverbreitungsgebiete dieser stärkereichen Nussfrüchte, die dort im Volksmund Keschde genannt werden.

IMG_2210IMG_2234

IMG_2395

Durch die großen Kastanienwälder, die eine wichtige Bienentracht sind, gibt es auch in der Pfalz den unglaublich aromatischen Kastanienhonig, eine ganz besondere Honigspezialität. Die Kastanie ist eine uralte Kulturpflanze die wohl durch die Römer auch bis in unsere Breiten kam und lange Zeit eine wichtige Nahrungspflanze war. Schon von Karl dem Großen zum Anbau empfohlen wurde die Esskastanie in den folgenden Jahrhunderten mehr und mehr zum „Brot der Armen“. Laut Wikipedia war die Kastanie in einigen Gebieten Europas: „[…] praktisch einzige Nahrungsquelle. Je nach Region wurden ein bis zwei Bäume für die ganzjährige Ernährung einer erwachsenen Person veranschlagt.“ (siehe dazu: Stephan Hahn: Die Esskastanien. Nahrungsquelle und bedrohte Naturressource. Book on Demand GmbH, Norderstedt 2004, S. 133-250).

IMG_2213IMG_2232

 

IMG_2409IMG_2402

Die Keschde wurde und wird durch ernste Baumkrankheiten bedroht und umso erfreulicher war der heutige Tag in Edenkoben (südliche Weinstraße), wo ganz in der Nähe der „Villa Ludwigshöhe“ ein ertragsreiches Sammelgebiet liegt. Tja damals, als die Villa für Ludwig I. gebaut wurde, gehörte die Pfalz noch zu Bayern, im heutigen Bayern ist es eher schwieriger (oder eher unmöglich :-)) Esskastanien zu sammeln. Leider blieben heute auch Franz und Keks in Bayern, daher war ich alleine beim Sammeln … und es macht süchtig!

IMG_2215IMG_2217

IMG_2400IMG_2397

Das Wetter … ein wunderschöner Altsommertag … und es waren ganze Völkerwanderungen unterwegs, die aber zumeist nicht in meinem Sammelgebiet unterwegs waren, wohl aber den ganzen Wald mit einem unüberhörbaren Stimmengewirr überzogen. Nach drei Stunden kapitulierte mein Rücken, obwohl ja noch hinter jedem nächsten Baum leckere Kastanien gesammelt werden wollten. Nachdem ich aber fast auf „allen Vieren“ zum Auto zurückgelaufen bin, war die Ausbeute doch beträchtlich.

IMG_2226

Die Keschde sind kleiner als die gerösteten Kastanien die man in den Innenstädten an den zahlreichen Maronenständen kaufen kann, aber dafür sind sie so was von aromatisch … ein Genuss.

IMG_2219IMG_2222

Was ich heute vergessen hatte mitzunehmen sind Handschuhe (& zwar richtig robuste Arbeitshandschuhe aus Leder). Keschde sind zwar optisch als Frucht wunderschön aber unglaublich stachlig, daher schadet auch ein gutes Taschenmesser nicht (das hatte ich gottseidank dabei) mit denen man die Früchte aus der Schale hebeln kann. Zuhause müssen die Keschde noch verlesen werden (ärgerlich aufdringliche Maden & natürlich auch die übersehenen hohlen Nüsschen).

IMG_2228IMG_2230

Über Verarbeitung und Lagerung folgt in Kürze ein weiterer Eintrag. Denn für heute wird nur eine kleine Schale Keschde geröstet und dann in möglichst rückenschonender Haltung mit großem Genuss verschlungen. Die daheim in Bayern verbliebenen freuen sich auf das gewichtige Mitbringsel. Obwohl freuen dürfte sich nur Franz da Keks kulinarisches Glück eher ein Pfälzer Saumagen sein dürfte.

IMG_2231

Die Pilzsaison

Die Pilzsaison ist schon fast auf ihrem Höhepunkt angekommen und unsere Kühltruhe wohl gefüllt. Der erste Höhepunkt war die Krause Glucke, welche Franz und mich zu einem lustigen Wettstreit animierte und deren diesjähriges Endergebnis 15 zu 11 für Franz lautet. Nicht dass wir danach nicht noch weitere schöne Exemplare gefunden hätten, aber so viele Krause und auch breitblättrige Glucken kann und will kein Mensch essen. Ein Vergleich mit Keks zeigt die doch beachtliche Größe einer Krausen Glucke.

IMG_1965IMG_1967