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Maronenzeit

Nachdem unsere Kühltruhe (& nicht zu vergessen die vielen Pilze die Franz getrocknet & zum Teil noch weiter zu Pilzpulver verarbeitet hat) nun wohl gefüllt mit allerlei Pilzen (Steinpilz, Maronen, Butterschwammerl, Parasol, Krause Glucke, Rotkappe, etc.) ist, hat die Maronenzeit begonnen. Nur leider nicht in Bayern, da es dort zu kalt für die wärmeliebende Esskastanie ist. Die Pfalz ist allerdings eines der deutschen Hauptverbreitungsgebiete dieser stärkereichen Nussfrüchte, die dort im Volksmund Keschde genannt werden.

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Durch die großen Kastanienwälder, die eine wichtige Bienentracht sind, gibt es auch in der Pfalz den unglaublich aromatischen Kastanienhonig, eine ganz besondere Honigspezialität. Die Kastanie ist eine uralte Kulturpflanze die wohl durch die Römer auch bis in unsere Breiten kam und lange Zeit eine wichtige Nahrungspflanze war. Schon von Karl dem Großen zum Anbau empfohlen wurde die Esskastanie in den folgenden Jahrhunderten mehr und mehr zum „Brot der Armen“. Laut Wikipedia war die Kastanie in einigen Gebieten Europas: „[…] praktisch einzige Nahrungsquelle. Je nach Region wurden ein bis zwei Bäume für die ganzjährige Ernährung einer erwachsenen Person veranschlagt.“ (siehe dazu: Stephan Hahn: Die Esskastanien. Nahrungsquelle und bedrohte Naturressource. Book on Demand GmbH, Norderstedt 2004, S. 133-250).

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Die Keschde wurde und wird durch ernste Baumkrankheiten bedroht und umso erfreulicher war der heutige Tag in Edenkoben (südliche Weinstraße), wo ganz in der Nähe der „Villa Ludwigshöhe“ ein ertragsreiches Sammelgebiet liegt. Tja damals, als die Villa für Ludwig I. gebaut wurde, gehörte die Pfalz noch zu Bayern, im heutigen Bayern ist es eher schwieriger (oder eher unmöglich :-)) Esskastanien zu sammeln. Leider blieben heute auch Franz und Keks in Bayern, daher war ich alleine beim Sammeln … und es macht süchtig!

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Das Wetter … ein wunderschöner Altsommertag … und es waren ganze Völkerwanderungen unterwegs, die aber zumeist nicht in meinem Sammelgebiet unterwegs waren, wohl aber den ganzen Wald mit einem unüberhörbaren Stimmengewirr überzogen. Nach drei Stunden kapitulierte mein Rücken, obwohl ja noch hinter jedem nächsten Baum leckere Kastanien gesammelt werden wollten. Nachdem ich aber fast auf „allen Vieren“ zum Auto zurückgelaufen bin, war die Ausbeute doch beträchtlich.

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Die Keschde sind kleiner als die gerösteten Kastanien die man in den Innenstädten an den zahlreichen Maronenständen kaufen kann, aber dafür sind sie so was von aromatisch … ein Genuss.

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Was ich heute vergessen hatte mitzunehmen sind Handschuhe (& zwar richtig robuste Arbeitshandschuhe aus Leder). Keschde sind zwar optisch als Frucht wunderschön aber unglaublich stachlig, daher schadet auch ein gutes Taschenmesser nicht (das hatte ich gottseidank dabei) mit denen man die Früchte aus der Schale hebeln kann. Zuhause müssen die Keschde noch verlesen werden (ärgerlich aufdringliche Maden & natürlich auch die übersehenen hohlen Nüsschen).

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Über Verarbeitung und Lagerung folgt in Kürze ein weiterer Eintrag. Denn für heute wird nur eine kleine Schale Keschde geröstet und dann in möglichst rückenschonender Haltung mit großem Genuss verschlungen. Die daheim in Bayern verbliebenen freuen sich auf das gewichtige Mitbringsel. Obwohl freuen dürfte sich nur Franz da Keks kulinarisches Glück eher ein Pfälzer Saumagen sein dürfte.

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